

Manche Ideen entstehen nicht am Reißbrett, sondern aus Neugier. Daniel Wagner und Matthias und Christian Runkel haben genau so eine umgesetzt: statt ein neues Terroir zu suchen, wurde getauscht. Heerkretz gegen Scharlachberg. Zwei der prägendsten Rieslinglagen Rheinhessens, beide extrem eigenständig, beide auf höchstem Niveau – und plötzlich neu gedacht.
Das Ergebnis ist kein Gimmick, sondern ein ernsthafter Wein mit klarer Haltung. Die Heerkretz zeigt sich hier ausdrucksstark und tief, getragen von gelber Frucht wie Pfirsich und Aprikose, dazu würzige Kräuternoten, Liebstöckel, etwas Taubnessel. Mit Luft kommt Ruhe hinein, fast Zurückhaltung, dazu nussige Anklänge, ein Hauch Gebäck und Mirabelletarte.
Die Struktur ist straff und präzise. Frische Säure gibt Zug, die Mineralität steht kompakt und salzig im Zentrum. Viel Volumen, aber kein Übergewicht. Druck ist da, Länge ebenso, alles sehr klar geschliffen. Im Finale bleibt Tiefe, Kräuterwürze, Salz – die Frucht tritt zurück und macht Platz für Herkunft.
Ein großer Wein mit großer Zukunft.