

Manchmal entstehen die spannendsten Weine aus Neugier. Daniel Wagner hat sich gemeinsam mit dem befreundeten Weingut Bischel auf genau so ein Experiment eingelassen: Lagen tauschen, Perspektiven wechseln, voneinander lernen. Heerkretz gegen Scharlachberg. Zwei Terroirs, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und genau deshalb so reizvoll.
Der Binger Scharlachberg liegt am Rochusberg, geprägt von Taunusquarzit, eingerahmt von Rhein und Nahe. Steil, karg, fordernd. Die Parzelle ist winzig, gerade einmal 35 Ar im oberen Teil der Lage, die Erträge entsprechend niedrig. Die Reben müssen tief wurzeln, Bewässerung gibt es hier nicht. 20 hl/ha, mehr lässt dieser Ort nicht zu. Der Ausbau erfolgt bewusst im Edelstahl, um die Eigenart der Lage nicht zu überformen.
Im Glas zeigt sich der Scharlachberg wild und würzig, mit nur angedeuteter Frucht – Ananas, Karambole, nichts Reifes oder Breites. Dazu Hefe, Tabak, eine fast sehnige Struktur und enorme Spannung. Der Wein wirkt ungestüm, aber fokussiert, mit prägnanter Mineralität und viel innerem Druck. Kein gefälliges GG, sondern eines mit Kante und Charakter.
Die Menge ist brutal klein, unter tausend Flaschen. Ein Wein aus Leidenschaft und Wissbegier, der zeigt, wie viel Ausdruck in diesem Terroir steckt – und warum dieses Tauschprojekt mehr ist als nur eine Idee.