Terroir Series Vol. 2 - Mosel & Ahr

Steillagen und Cool Climate

Man vergisst manchmal, wie einzigartig die Weinbaugegenden um die vier Flüsse Mosel, Saar, Ruwer und Ahr eigentlich sind. Cool climate, steilste Weinberge, die größtenteils mit Abermillionen von verwitterten Schieferplättchen übersäht sind und seit hunderten von Jahren Spitzenweine auf Weltklasse-Niveau. 

Zugegeben: die Zeiten, als die Nachfrage nach restsüßen Moselweinen weltweit durch die Decke ging und die Weine vom Scharzhofberg die teuersten Weißweine der Welt waren, sind längst Geschichte. Aber das heißt keinesfalls, dass hier kein guter Wein mehr gemacht wird. Allerdings ändert sich mit den Geschmäckern der Kunden auch die nachgefragte Weinstilistik und an dieser Stelle heißt es schlicht und ergreifend "adapt or perish". Mit Unmengen Bothritis gefütterte Kabinette und Spätlesen mit Restzuckerwerten im dreistelligen Bereich sind einfach in der Breite nicht mehr gefragt - außer vielleicht in Asien. Hier trinkt man höchstens mal ein Glas zum Dessert oder Käse. Auf der anderen Seite erleben filigrane, zarte, ungehörig gut balancierte Kabinette seit einigen Jahren einen unfassbaren Aufschwung. Diese fast schon iostonischen Erwachsenenlimonaden mit den moderaten Alkoholwerten machen einfach unglaublich viel Spaß und die Qualität bei diesen Weinen ist enorm hoch geworden. 

So viel zu Moselweinen. Die Ahr wiederum, als nördlichste rotweingeprägte Weinbauregion der Welt, kämpft um Aufmerksamkeit und sicherlich auch immernoch mit den Nachwirkungen der Flutkatastrophe im Juli 2021. Natürlich kann eine so winzige Region, wo Weinbau auf überschaubaren 550 ha betrieben wird, in der Breite keine 20 Spitzenbetriebe stellen. Hier muss man sich im Fine Wine Bereich auf die Wenigen beschränken, die die Qualitätsfahne für diese Region hochhalten. Doch bleiben wir mal gerade noch bei den Regionen an sich: die Mosel gilt als größtes Steillagenweinbaugebiet der Welt und ist gleichzeitig das zweitgrößte Riesling-Anbaugebiet. Nur in der Pfalz finden wir mehr unserer Lieblingsrebsorte. Die Kombi aus steilen, wärmespeichernden Schieferhängen bei dennoch verhältnismäßig kühlen Temperaturen und der späten Reife des Rieslings macht die Mosel zum idealen Terroir für diese Rebsorte, die heute knapp 60% der Rebfläche einnimmt. Wir bleiben hier jetzt auch mal bei Schiefer allgemein, denn jetzt die etlichen Schiefertypen wie Blauschiefer, Grauschiefer, Grünschiefer, Rotschiefer, usw. zu unterscheiden, würde dann doch etwas den Rahmen sprengen. Wissenswert ist hier sicherlich, dass die meisten Arten aus dem Devon-Zeitalter von vor rund 400 Millionen Jahren stammen. Alle Hobby-Paläontologen unter euch wissen: Das ist ne ganze Ecke älter als die Dinosaurier. Quasi also ein verwitterter, prähistorischer Schatz, der die Weine dieser Regionen prägt. 

Wichtig zu erwähnen ist zusätzlich, dass es direkt am Fluss auch flache Weinlagen gibt, die sich allerdings nicht als erstklassiges Terroir bezeichnen lassen. Denn hier kommt der Schiefer quasi gar nicht bis an die Oberfläche. In den Steillagen geht nahezu alles nur von Hand, weswegen Spitzenweine von der Mosel auch verhältnismäßig teuer sein müssen bzw. in der Breite eig noch teurer sein müssten. Wir glauben, dass die Moselwinzer oft ihre Arbeitszeit gar nicht mit einrechnen. Spaß beiseite - man kann hier nicht in gut und günstig produzieren. Wer einmal einen Wanderweg durch die Reben an der Mosel gegangen ist, oder sogar mal durch eine Steillage laufen durfte, wird wissen, warum ein Wein von hier Geld kosten muss. Das Terroir der Ahr ist dem der Mosel sehr ähnlich. Interessanterweise dominieren hier rote Rebsorten jedoch mit knapp 80% die Anbaufläche. Vor allem Spätburgunder, der 65% der Steilhänge einnimmt, spielt hier eine übergeordnete Rolle. Wer den letzten Newsletter gelesen hat, weiß vielleicht noch, wie der Pinot nach Deutschland kam. Auch hier im Ahrtal waren die Zisterziensermönche vor rund 500 Jahren am Werk und brachten uns die Königin der Rebsorten mit, die, ähnlich wie der Riesling, sehr gut mit den wärmespeichernden Schieferböden zurechtkommt. Natürlich besitzen Pinots von der Ahr, aber auch von der Mosel, eine völlig andere, eigenständige Stilistik als jene aus dem Burgund oder anderen Weinbaugegenden Deutschlands. Das finden wir gut - solange er knochentrocken ist. Wäre schließlich auch langweilig, wenn alles gleich schmecken würde.

Apropos knochentrocken. Woher kommt jetzt eigentlich der Begriff "moseltrocken"? Früher hatte die Region das Problem, dass nach der häufig im Oktober erfolgten Lese die Temperaturen bereits so niedrig waren, dass die Hefen während der Gärung nicht mehr richtig arbeiten konnten. Somit wurde der enthaltene Zucker nicht komplett zu Alkohol verstoffwechselt. Am Ende stand man vor einem Wein mit moderatem Alkohol und ein bisschen Restzucker. Früher häufig gefeiert, heute eher verpönt.