Pierre ist tief im Burgund verwurzelt. Seine Familie arbeitete über Generationen hinweg in der Landwirtschaft und Viehzucht, bevor in den 1980er Jahren der Schritt in den Weinbau folgte. Nach seiner Winzerausbildung in Beaune hätte er den klassischen Weg nehmen und das elterliche Weingut, die Domaine des Roncières, übernehmen können. Stattdessen zog es ihn für mehrere Jahre nach Asien, mitten hinein in die Welt großer Weine und anspruchsvoller Märkte.
Diese Zeit hat Spuren hinterlassen. Als Pierre ins Chablis zurückkehrte, brachte er keine Nostalgie mit, sondern eine klare Idee davon, was seine Weine liefern sollen: Eigenständigkeit, Präzision und Unvergesslichkeit. Kein Mainstream, keine Wiederholung. Sein Fokus liegt auf einzelnen Parzellen, sogenannte Lieu-Dits, sorgfältiger Arbeit im Weinberg und einem nachhaltigen Ansatz ohne Herbizide, mit begrünten Böden und konsequenter Handlese.
Im Keller setzt er auf Ruhe und Zeit. Spontangärung, keine Chaptalisierung, keine Schönung oder Filtration. Der Ausbau erfolgt zu verschiedenen Teilen im Holz, in Amphoren oder im Edelstahl, immer mit langem Hefelager und minimalen Eingriffen. Das Ziel ist purer Ausdruck des Terroirs und des Stils.
Ein Besuch bei Pierre fühlt sich weniger wie ein Weingutstermin, sondern eher wie ein Perspektivenwechsel an. Chablis zeigt sich hier nicht als festgesetzter Begriff, sondern als offener Raum für Präzision, Tiefe und neue Gedanken und Wege – getragen von einer Familiengeschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.